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Im 11.
Jahrhundert wurde über viele Jahre hindurch ein weißer Hirsch verfolgt,
der sich, um seinen Jägern zu entkommen, in den Abgrund stürzte. Zum
Andenken baute man ihm ein Jagdhaus, der Hirschstein genannt. Bereits 1205
wurde es als Burganlage erstmals urkundlich erwähnt. Das Schloss Hirschstein ist auf der Spitze einer schroffen Granitbarre 33 m hoch über dem Elbstrom erbaut. Es ähnelt in seiner Bauart der Form eines Schiffes, dessen Bug stromauf gerichtet ist. Das Gemäuer wird überragt von einem viereckigen, mit einer Laterne gekrönten Turm, dem Mast eines Segelschiffes gleichend. Der Schlossturm ist nicht unterkellert. Die Mauern im Erdgeschoss erreichen eine Stärke von drei Metern.
Das
Schloss wurde in den Jahren zwischen 1687 bis 1700 zu einer
zweigeschossigen Wohnanlage mit Innenhof und eingestelltem Turm umgebaut.
Es erfolgte dabei der Neubau des
Nordflügels mit einer doppelläufigen Treppe. Der Turm erhielt Haube und
Laterne. Die Schlosskapelle wurde auf die Westseite verlegt. In den Jahren
1893/94 erfolgte ein weiterer Umbau, der vom Dresdener Architekten Ernst
Giese ausgeführt wurde. Er gestaltete Schloss und Terrassengarten im Stile
der Neorenaissance. Im Nordflügel wurde eine Eingangshalle mit barocken
Türen geschaffen. Es erfolgte der Einbau der Kapelle und ihre Ausstattung
mit neuem Gestühl, einer hölzernen Kanzel, einer Jehmlich-Orgel, einem
elektrischen Kronleuchter und Dekorationsmalereien. |
Über der Eingangshalle wurde ein Porzellansaal geschaffen, der mit Schätzen aus aller Welt ausgestattet war und eine kostbare Porzellansammlung sowie einen kunstvoll aus Meissner Porzellan gefertigten Kamin hatte. Im Obergeschoss wurden eine Bibliothek und ein getäfelter Saal eingerichtet. Die Türen wurden mit Wurzelholzintarsien versehen. Des weiteren wurden in repräsentativen Räumen Kamine eingebaut, die von den Gängen aus beheizbar waren. 1944 bis 1945 diente das Schloss, das aus der Luft gesehen an ein mächtiges Schiff erinnert, als königliches Gefängnis, denn hier erfolgte die Internierung von König Leopold von Belgien mit Familie. Seit 1957 ist das Schloss ein Kindersanatorium.
Der weiße Hirsch (Sage von der Gründung des Schlosses) |
Zwei Stunden von Riesa liegt das uralte Schloss Hirschstein auf einem hohen, freistehenden Felsen, dicht an der Elbe. In der Nähe dieses Felsens hielt einst in der Mitte des 11. Jahrhunderts ein Markgraf von Meißen seine großen Wildhetze ab. Dabei verfolgten schon viele Jahre hindurch die markgräfischen Jäger ohne jeden Erfolg einen weißen Hirsch, der wunderschön gewesen sein soll. Alle Unternehmen, ihn zu erlegen, waren umsonst. Endlich erblickten sie ihn wieder - da stürzte sich der Hirsch von einem, den Augen der Jäger bisher entgangenen Felsen, in die Elbe hinab, und beinahe hätte die Begierde, den Hirsch zu fangen, mehrere der vornehmsten Waldgesellen mit in den Abgrund gerissen. Zum Andenken erbaute man hier ein Jagdhaus, der Hirsch-Stein genannt, das anfänglich nur dazu diente, den Markgrafen durch die reizende Aussicht in das Elbtal zu ergötzen - später wurde es ein ritterliches Schloss. (Quelle:Tourismusverband Sächsische Elbweindörfer um Diesbar-Seußlitz) Die weiße Frau auf dem Schloß zu Hirschstein Vom Hirschsteiner Schloß geht die Sage, dass dort in manchen Nächten eine weiße Frau spukhaft durch die Zimmer huscht. Einem Wärter war einst im Schloß selbst ein Schlafzimmer eingerichtet worden. Dieser hat mehrere Male beobachtet, wie nachts mit Schlage zwölf eine weißgekleidete Frauengestalt zur Zimmertür hereingekommen ist, ohne das die Tür geöffnet war. Die Gestalt hatte sich einige Male im Kreis herumgedreht und ist, ebenso lautlos wie sie gekommen war, wieder verschwunden. Ein andermal wird er im Schlafe dadurch munter, dass er fühlt, wie jemand die Bettdecke anhebt und diese auf den Boden wirft. Wie er sich herumdreht, sieht er gerade die weiße Frau zur Tür hinaus huschen. Einem Hirschsteiner Herrschaftsjäger soll einst einmal folgendes begegnet sein: Für den nächsten Tag war große Jagd im Hirschsteiner Revier angesetzt, und das Schloss ist voller Jagdgäste. Der Jägermeister sitzt mit einem jungen Grafen, den er morgen führen soll, in dessen Zimmer auf dem Schloss und beide sind in ihre Jagdunterhaltung vertieft. Es vergeht dabei Stunde um Stunde, Mitternacht naht schon, ehe der Jäger zum Schlafengehen mahnt. Während man sich verabschiedet, schlägt die Turmuhr die zwölfte Stunde - und siehe zum Entsetzen der beiden, geht beim letzten Glockenschlag geräuschlos die Zimmertür auf. Eine schneeweiße Frauengestalt geht hart an den beiden vorüber und verschwindet durch die andere Zimmertür ebenso lautlos wie sie gekommen war. Der junge Graf war ganz gebrochen vor Schreck, und der Jägermeister mußte die Nacht in seinem Schlafzimmer verbringen. Die Amme von Hirschstein Früher soll sich an der Außenseite des Schlosses Hirschstein nach der Elbe zu eine in die Mauer gehauene Figur, die ein Kind auf dem Arme hielt, befunden haben. Diese Figur sollte veranschaulichen, dass vor langen Zeiten hier ein Wunder geschehen sei... Zu einem Kindstaufschmaus auf dem Schlosse hatte sich die damalige Amme des neugeborenen Hirschsteiner Herrschaftssprößlings unvorsichtigerweise so dem Genusse des Weines hingegeben, dass sie nachher, als sie den Gästen ihren Pflegling gezeigt hatte, diesen anstatt in seine Wiege zum offenen Fenster des Schlosses hinauslegte. Der Säugling stürzte herab, blieb aber an den Zweigen eines am Felsen wurzelnden Strauches hängen, wodurch ihm sein junges Leben erhalten blieb. Als die Ehegatten des Abends nach ihrem Kinde sehen wollten, fanden sie die betrunkene Amme am offenen Fenster sitzend, von dem Kleinen fehlte jede Spur. Voller Schrecken suchten sie überall, bis der Schlossherr nach langem vergeblichen suchen, seinen Schmerz zum Fenster hinaus schrie und siehe - da erblickte er sein Kind unversehrt im Gestrüpp schlafend. Das Unglücksfenster hat man zugemauert und noch heute fällt dem Wanderer das vermauerte Fenster am Schlosse nach der Elbseite zu auf. Vergiftete Kirschen (Ursprung des Sprichwortes:"Mit ihm ist nicht gut Kirschen essen") Auszug aus der Zeitschrift "Saxonia" herausgegeben vom Museum für sächsische Vaterlandskunde vom Juni 1835 Nr. 4 Von der ursprünglichen Burg, die in Urkunden auch Herstehn, Hirschin oder Herstein genannt wird, sind wohl nur noch die Grundmauern übrig, da der weitere Ausbau ein viel neueres Aussehen hat. Im Jahre 1262 war sie nach urkundlichen Nachrichten im Besitz des Ritters Weigand von Histein, gelangte aber später an die Ritter von Carlowitz und war im Jahre 1291 wahrscheinlich ein Eigentum des Bischofs Witigol von Meißen. Dieser arglistige Mann war vom Markqrafen von Meißen, der den Beinamen Tutta hatte, in einer mit ihm früher geführten Fehde besiegt worden und hatte sich zwar scheinbar mit demselben wieder angesöhnt, die Ausführung seiner meuchlerischen Rache aber einer günstigen Gelegenheit vorbehalten. Als nun Friedrich im Sommer des erwähnten Jahres in der Nähe jenes Schlosses gejagt hatte und bei dem Bischof, um sich zu erfrischen, argloser Weise eingekehrt war, wurden ihm von diesem Kirschen vorgesetzt, auf deren Genuss er in heftige Zuckungen verfiel und bald darauf verstarb. Der Bischof hatte jenes Obst vergiften lassen und obwohl sein Verbrechen gleich nach Vollbringung desselben entdeckt worden war, so scheint es doch zu jener Zeit ganz unbestraft geblieben zu sein. Spätere Besitzer des Schlosses und Gutes waren Herren von Haugwitz, von Ressel und Pistorius, von welchem letzteren es der in den Adelsstand erhobene Christoph Felgenhauer kaufte.Seit dem Jahr 1722 der gräflichen Familie von Loß. Das Schloss ist noch bewohnbar und hat eine wohlerhaltene Kapelle, in der noch jetzt zuweilen Gottesdienst gehalten wird. Ergänzung: Davon soll das Sprichwort oder die Redensart: "Mit ihm ist nicht gut Kirschen essen" herrühren. Erwähnt in "Geflügelte Worte" erschienen im VEB Bibliographischem Institut Leipzig, 1981 | ||
